Flachgestrickte Versorgungen

Flachgestrickte Versorgungen

Flachgestrickte medizinische Kompressionsstrümpfe und -strumpfhosen

Der Schwerpunkt in der Kompressionstherapie liegt in der Behandlung von Venenleiden mit rundgestrickten Kompressionsstrümpfen in den wichtigen Kompressionsklassen (KKL 1 und KKL 2). Überwiegend werden hierbei anatomisch korrekte / normale Beine mit Serienprodukten bestrumpft.

Flachgestrickte Kompressionsprodukte bis zu KKL IV werden nahezu ausschließlich einzeln maßgefertigt.


Die Einsatzgebiete:

Masche für Masche

Flachgestrickte Kompressionsstrümpfe -werden in einem aufwändigen Verfahren Masche für Masche flach wie ein Tuch hergestellt. Nur im Flachstrickverfahren kann die Maschenzahl pro Maschenreihe verändert, Minderungen gebildet (z.B. Einkehren / Abwinkelungen) und besonders homogene, auch überhöhte Abschlüsse erzeugt werden.

Nach Fertigstellung des Gestricks werden die Enden durch eine flache elastische Naht aneinandergenäht bzw. besser aneinandergekettelt. So wird die optimale Beweglichkeit der Gelenke unter Kompression gewährleistet.

Der Kompressionsstrumpf oder das Kompressionssegment, das dabei entsteht, bildet die Anatomie exakt nach, auch bei sehr großen proportionalen Unterschieden.

 

Die Vorteile flachgestrickter Kompressionsstrümpfe: 
• Exakte Passform

• Kräftigere Wirkung durch hohen Arbeitsdruck bei Bewegung

• Besserer Halt und weniger Druck- und Scheuerstellen

• Hohe Stabilität, dadurch faltenfreier Sitz ohne Einschnürungen

• Förderung der subkutanen Mikrozirkulation durch Massageeffek

 

Die produktionstechnisch- und materialbedingt hohe Flächenstabilität und die höheren Wand stärken machen flachgestrickte Kompressionsstrümpfe formstabiler und verhindern, dass sich das Gestrick in Hautfalten und -furchen der ödematisierten Körperregionen einarbeitet. Dadurch werden Hautschädigungen sowie Infektionen in Folge von Einschnürungen unterbunden.
Flachgestricktes Kompressionsmaterial ist weniger „nachgiebig“. Unter aktiver Muskulatur (in Bewegung) wird i.d.R. ein höherer Arbeits – druck und somit eine deutlich effizientere Tiefenwirkung erzielt.
Flachgestricke sind aufgrund ihrer Stricktechnik zudem poröser, kurzzügiger und spannungsfrei. Damit wird eine erhöhte Atmungsaktivität / Luftzirkulation an der Haut erreicht sowie eine einfachere Handhabung und leichteres Anziehen. Die Patientencompliance ist in der Praxis erheblich höher als bei rundgestrickten Kompressionsprodukten.

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Starke medizinische Wirkung:

Das Maschenbild des Strumpfes zeichnet sich nach dem Tragen von flachgestrickten Produkten deutlich auf der Haut ab. Dies kommt dadurch zustande, dass sich Haut und Bindegewebe in das dickere, dreidimensionale, weitmaschige Gestrick einarbeitet. Durch Bewegung wird ein Massageeffekt erzeugt, der die Kontraktion der Lymphgefäße unterstützt und einen positiven Einfluss auf Verhärtungen im oberflächigen Bindegewebe hat. Dadurch werden Ödeme verringert und die Haut weicher und elastischer.
Flachgestrickte Produkte erfordern bei Ödemversorgungen eine spezielle Anmesstechnik (Messen unter Zug). Es bedarf einer genauen Begutachtung des Krankheitsbildes sowie der intensiven Einweisung des Anwenders durch therapiebegleitende, spartenübergreifende Zusammenarbeit zwischen Fachärzten, Therapeuten (Physiotherapie, Fußpflege) und Versorgern (medizinisches Fachgeschäft/ Apotheke).

Kompressions-Flachgestricke werden für alle Körperpartien hergestellt. Nur im Flachstrickverfahren kann die komplexe Anatomie an Zehen, Händen, Fingern, Thorax und Kopf nachgebildet werden.

Flachgestrickte Versorgungen sind häufig zwei- oder mehrteilig z.B. Ärmel plus Handteil oder ein Strumpf plus Zehenteil oder Bermudahose.

 

Das Lymphsystem
Das Lymphsystem ist neben Arterien und Venen ein weiteres
Gefäßsystem in unserem Körper. Es ist ein Drainage- und Transportsystem mit dazwischengeschalteten Lymphknoten.

Die wichtigste
Aufgabe der Lymphgefäße ist der Abtransport von Stoffwechselprodukten aus dem Zellzwischenraum (Interstitium) zurück in das venöse System. Substanzen, die nur über die Lymphe entsorgt werden können sind v.a. Eiweiß, Nahrungsfette, abgestorbene Zellen und Zelltrümmer sowie insbesondere eingedrungene Bakterien und Viren.

Wasser ist das Transportmedium. Die Lymphgefäße durchziehen den menschlichen Körper entlang der Blutgefäße und in den Extremitäten besonders im Unterhautfettgewebe.

Sie transportieren täglich etwa zwei Liter Lymphe ab.

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Lymphödem
Unter einem Lymphödem versteht man eine übermäßige Ansammlung eiweißreicher Flüssigkeit im Gewebe, die zu einer Schwellung führt.

Bei einer Schädigung des Lymphgefäßsystems kommt es zu Transportstörungen. Die Lymphlast kann nicht mehr abtransportiert werden und sammelt sich stattdessen im Zellzwischenraumgewebe.

Lymphödeme bilden sich immer an dem Körperteil aus, an dem der Lymphabfluss beeinträchtigt ist. Sie können sich aber auch an Organen, am Kopf oder an den Geschlechtsteilen manifestieren.

Der Auslöser für ein Lymphödem kann sowohl erblich bedingt sein (Primäres Lymphödem) oder durch äußere Einflüsse, wie Verletzungen, Entzündungen, Pilzerkrankungen, Tumore, Operationen etc. entstanden sein (sekundäres Lymphödem).

So kann zum Beispiel nach Brustkrebsoperationen ein Lymphödem am Arm auftreten.

Wird das Lymphödem nicht behandelt führt das zu einer stetigen Verschlechterung. In schweren Fällen entstehen proportionale Veränderungen von beträchtlichem Ausmaß. Ein Lymphöden erfordert eine lebensbegleitende Therapie, da es sich um eine chronische, nicht heilbare Erkrankung handelt, die die stetige Mitarbeit und Disziplin vom Patienten fordert.

 

Symptome und Beschwerden:

• Schwere-, Druck- und Spannungsgefühl

• Kribbeln, Stiche oder leichte Taubheit

• Asymmetrische Schwellungen einer Extremität

• Der Fuß- und Handrücken ist geschwollen (Stemmer’sches Zeichen*)

• Schnelle Ermüdbarkeit der betroffenen Extremität

• Hautverfärbungen und andere Hautveränderungen

• Hautfalten und -furchen

• Anfälligkeit für Hautirritationen und Entzündungen /

 

Stemmer’sches Zeichen:

Lässt sich die Dorsalhaut der 2. Zehe bzw. des 2. Fingers der betroffenen Extremität mit Daumen und Zeigefinger nicht oder nur sehr schwer abheben oder fälteln, ist das Stemmer’sche Zeichen positiv und es liegt ein Lymphödem vor.

Das Stemmer’sche Zeichen kann falsch-negativ, niemals aber falsch-positiv sein.
Stadien des Lymphödems:
Stadium 0 = Latenzstadium • Bekannte Schädigung des Lymphsystems ohne Ödem
Stadium I = Spontan reversibles Stadium • Ödem bildet sich durch Hochlagern der Gliedmaße zurück • Schwellungen weich
Stadium II – Spontan irreversibles Stadium • Keine Rückbildung bei Hochlagerung der Extremitäten • Verhärtung des Bindegewebes
Stadium III – Elephantiasis • Extreme Volumenzunahme • Verhärtungen der Haut, warzenförmige Wucherungen • Gefahr des Lymphangiosarkoms • Starke Einschränkung der Beweglichkeit, Invalidität

 

Lipödem

Beim Lipödem handelt es sich ebenfalls um eine chronische Erkrankung.

Der Begriff Lipödem setzt sich zusammen aus „Ödem“ (Flüssigkeitsansammlung im Gewebe) und „Lip“ (griechisch: Fett).

Es bezeichnet also eine Fettverteilungsstörung, die mit Ödemen und Schmerzen einhergeht. Bei dieser Erkrankung sind die Fettzellen vergrößert und vermehren sich. Typisch für ein Lipödem sind die sogenannten Reiterhosen: An Hüften, Po und Beinen treten Verformungen auf. In schlimmeren Fällen dehnt sich die Erkrankung über den Unterschenkel bis zum Knöchel aus. Auch an den Armen kann ein Lipödem in Erscheinung treten. Füße, Zehen bzw. Hände und Finger sind i.d.R. verdickungs- und ödemfrei. Ein Lipödem tritt im Gegensatz zum Lymphödem stets symmetrisch auf. Besonders Frauen sind betroffen. Durch die Vermehrung der Fettläppchen und Fettzellen im Bindegewebe beim Lipödem wird mit zunehmenden Ausmaß auch die Funktion der Lymphgefäße eingeschränkt, so dass als Begleiterscheinung ein chronischer Lymphstau in den abhängigen Körperpartien auftreten kann. Es entsteht dann i.d.R. ein sekundäres

Durch die Vermehrung der Fettläppchen und Fettzellen im Bindegewebe beim Lipödem wird mit zunehmenden Ausmaß auch die Funktion der Lymphgefäße eingeschränkt, so dass als Begleiterscheinung ein chronischer Lymphstau in den abhängigen Körperpartien auftreten kann. Es entsteht dann i.d.R. ein sekundäres Lymph-ödem, damit liegt ein Lipo-Lymphödem vor.

Dies ist an der damit einhergehenden Schwellung des Vorfußes/der Hand und einem positiven Stemmer’schen Zeichen* erkennbar. Zudem führen Östrogene (weibliche Geschlechtshormone) zu einer vermehrten Wassereinlagerung und Lockerung des Binde gewebes.

Symptome und Beschwerden:

Frühzeitiges Entstehen von degenerativen Gelenkveränderungen und Arthrosen

 

Einteilung des Lipödems

➊ Fettgewebsvermehrung im Bereich von Hüften und Po

➋ Das Lipödem reicht bis zu den Knien

➌ Vollbild des Lipödems von Hüften bis Knöchel (Suavenhosen-Phänomen)

➍ Beine plus Arme sind betroffen

Etwa die Hälfte der Frauen mit Lipödem sind zusätzlich adipös.

Vom Lipödem abzugrenzen sind Lipohypertrophie, Adipositas und Lipomatose – beschwerdefreie Vermehrungen des Fettgewebes bzw. Fettleibigkeit.
Ein Lipödem ist völlig unbeeinflussbar durch Diäten, Sport oder Bewegung. Man geht davon aus, dass neben genetischen auch hormonelle Ursachen für das Lipödem verantwortlich sind.

Das Lipödem tritt frühestens mit der Pubertät auf, häufig auch im Zusammenhang mit einer Schwangerschaft. Es gibt Hinweise darauf, dass schwere psychische Krisen Lipödeme auslösen können. Aufgrund des entstellten Körperbildes kommt es oftmals zu psychischen Belastungen (Depression, Bulimie etc.)

 

Behandlung von Lip- und Lymphödem
Lymph- und Lipödeme verändern das Leben der Betroffenen. Das Ziel aller an der Therapie Beteiligten sollte deshalb sein, die Behandlung der Erkrankung so wirkungsvoll und so angenehm wie möglich zu gestalten. Ein optimales Ergebnis in der Behandlung wird nur durch eine intensive Zusammenarbeit von Patient, Arzt, Therapeut, Versorger und Kompressionshersteller erzielt. Als Basistherapie, bzw. als einzig wirkungsvolle Therapie, dieser Erkrankungen gilt die Komplexe Physikalische Entstauungstherapie (KPE). Diese kann sowohl stationär als auch ambulant angewendet werden. Die KPE besteht aus zwei Abschnitten – der Entstauungsphase und der Erhaltungsphase. Beide Phasen basieren auf vier Säulen:

Entstauungsphase:
• Hygiene / Hautpflege • Manuelle Lymphdrainage (MLD) • Kompressionsbandagierung • Spezielle Gymnastik

Erhaltungs- und Optimierungsphase:
• Hygiene/Hautpflege • Manuelle Lymphdrainage (MLD) • Flachgestrickte Kompressionsstrümpfe / -ärmel ggf. in Kombination mit Hand- / Zehenversorgung • Bewegungstherapie, soweit möglich in Kompression

Die konsequente Kompression der betroffenen Körperregionen unterstützt die Entstauung, fördert bei Bewegung den Lymphabfluss und verhindert den Rückfluss von Lymphe in das Gewebe. Entscheidend für die Akzeptanz der Kompression und den Behandlungserfolg in der Erhaltungs- und Optimierungsphase ist die Passform. Bei Behandlungsfortschritten oder bei Passform-Defiziten ist die Kompressionsversorgung neu zu vermessen oder entsprechend anzupassen. Die therapiegerechte Anwendung der Kompressionsbekleidung durch den Patienten sollte regelmäßig geprüft werden.

Neben der KPE sollte Wert gelegt werden auf Schmerztherapie, spezifische Körper- pflege, Bekleidung und Schuhwerk, Ernährungsumstellung bei Übergewicht, psychologische Betreuung. Ggf. empfiehlt sich zusätzlich die Verordnung der Apparativen Intermittierenden Kompression (AIK).
Da eine Reduktion des krankhaft vermehrten Fettgewebes durch die KPE beim Lipödem nicht möglich ist, kann ggf. nach Abwägung der Nebenwirkungen und Abklärung der Kostensituation* die Liposuktion (Fettabsaugung) empfohlen werden. Bewährt haben sich die Wasserstrahl-assistierte Liposuktion (WAL) und die Tumeszenz-Lokalanästhesie (TLA). Ggf. kann nach der Liposuktion die konservative Therapie sogar reduziert werden.
* Die Liposuktion ist derzeit keine Regelleistung der gesetzlichen Krankenversicherung. Jedoch übernehmen in manchen Fällen die Krankenkassen Kosten der Liposuktion im Rahmen einer Einzelfallentscheidung.

 

 

 

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